Sonntag, 4. November 2012

Jahrestag der Explosion in der Zwickauer Frühlingsstraße – eine Bilanz aus Sicht des Autors der ersten Bilder


Heute vor einem Jahr, ich kann mich noch genau an den Nachmittag erinnern, ich stand in einem Supermarkt an der Käsetheke, als ich mehrere Anrufe erhielt, das es eine Wohnhausexplosion in Zwickau gab. Wie in solchen Fällen üblich, fuhr ich sofort an die Einsatzstelle, um den Feuerwehr- und Rettungseinsatz zu dokumentieren.
Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, dass dieses Ereignis meine Heimatstadt Zwickau so prägen wird. Als ich das Material an die TV Sender anbot, winkten die meisten ab. Klar wen interessiert schon eine Wohnhausexplosion in der sächsischen Provinz. Es gab keine Verletzten, keine Toten, damit war es für alle großen Medien uninteressant. 
Später am Abend drehte sich jedoch das Blatt, erste Details der Umstände sickerten durch und die Bilder wurden interessant. Jetzt wollten alle Sender das Material. Wer jetzt denkt, ich habe dabei mir eine goldene Nase verdient, den muss ich enttäuschen. Natürlich wurden die Bilder von den Sendern einmalig honoriert, aber ein Arbeiter in einem hier ansässigen Automobilunternehmen verdient im Monat garantiert mehr als das, was ich an den Bildern verdient habe. Das aber nur mal so nebenbei.
Jetzt war jedoch der Geist aus der Flasche, die „Zwickauer Terrorzelle“ war geboren. Ich finde schon diese Bezeichnung sehr zweifelhaft, da ja keiner der Beteiligten aus Zwickau stammte und keiner der mutmaßlichen Morde in Zwickau verübt wurde. So groß das Ereignis plötzlich war, so groß war auch die Blamage der etablierten Medien. Das begann in den ersten Tagen und hält bis heute an. Frei nach dem Motto: Nichts Genaues weiß man nicht, aber darüber wird berichtet. Oftmals wurde das Blaue vom Himmel geschrieben oder gesendet. Jedes Krümelchen wurde zur Sensation hoch stilisiert. Selbst die Katzen der Hausbewohnerin schaften es in die Mainstream Medien und auch Unbeteiligte wurden in Ermangelung von Fakten an den Pranger gestellt. Genüsslich wurde und wird mit der Nazikeule auf Zwickau eingedroschen, schließlich muss die Quote, bzw. die Auflage stimmen. 
Jeder der sich etwas im Journalismus auskennt weiß Nazis und Kinderschänder verkaufen sich immer gut. Natürlich wird auf dieser Welle auch ein Jahr danach geritten. Schaut man heute bei google News nach Zwickau sind 7 von 10 Artikeln auf der Startseite zu diesem Thema:

NSU: Zwickau ringt um Haltung zum Thema Rechtsextremismus - Freie Presse
· Bürger demonstrieren gegen Rassismus - MDR
· Zwickau kämpft gegen braunes Image - Märkische Allgemeine
· Ein Jahr nach Aufdeckung der NSU-Morde: Zwickau kämpft mit ... - STERN.DE
· Ein Jahr NSU-Explosion Wo der braune Terror wohnte - news.de
· Zwickauer Terrorzelle: Ein impotenter Staat? - Abendzeitung München
· 02.11.2012 – NSU, Neonazi Terror, Türkei, Rassismus, Zwickau ... – MiGAZIN

Doch die wirkliche Faktenlage ist nach wie vor sehr dünn. Beate Z. sitzt immer noch in Untersuchungshaft, eine Anklage wurde auch ein Jahr nach der Explosion nicht erhoben. Die Familien der Opfer wurden insgesamt mit 900 000 Euro entschädigt. Beweise werden weiter gesammelt. Neue Informationen von General Bundes Anwaltschaft gibt es nicht. 
Eigenartigerweise erschienen nach dem ersten Hype jedoch beinahe wöchentlich Artikel zum Thema. Das ist ein Fakt über den man eigentlich nachdenken sollte. 
Alleine 2011 gab es in Deutschland 889 Morde (Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2229/umfrage/mordopfer-in-deutschland-entwicklung-seit-1987/ ). Wieviel wurde über diese Taten berichtet? 
Um nicht falsch verstanden zu werden. Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel und wer einen anderen Menschen umbringt, muss die Höchststrafe bekommen. Die Frage lautet jedoch hier: Gibt es bei den Medien Opfer 1. Und 2. Klasse?
Das ist aber nicht die einzige Frage die sich stellt. Viele Ungereimtheiten sind bei näherer Betrachtung augenscheinlich. Dies jedoch weiter auszuführen, würde Hit-TV.eu und mich nicht besser machen, als diejenigen die Fakten in einen nicht zugehörigen Kontext setzen, Halb- und Unwahrheiten verbreiten und mit journalistischen Tricks nicht vorhandene Tatsachen suggerieren.
Abschließend noch ein paar Worte für alle, die nicht aus Zwickau kommen. Zwickau ist eine liebenswerte Kleinstadt. Gäste egal aus welchem Land sind hier immer willkommen. Man kann zu jeder Tages- und Nachzeit auf die Straße gehen und sich sicher fühlen. Hier ist mit Sicherheit keine Hochburg des Rechtsterrorismus. Das sich die Leute damals in der Frühlingsstraße niedergelassen haben, ist meiner Meinung nach reiner Zufall gewesen. Im Gegenteil vielleicht war es sogar ein Grund hier zu wohnen, weil es keine nennenswerte „rechte Szene“ gab und gibt. Es hätte jede Stadt in Ost oder West treffen können.
Ich mag mein Zwickau und jeder sollte es besuchen, um sich selbst ein Bild zu machen. Man soll nicht immer glauben was in der Zeitung steht oder im Fernsehen gesendet wird.

Hier nochmal die Originalbilder zum Ereignis: 








Text: Heiko Richter Foto-/Videoquelle: Hiit-TV.eu